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Leben wie ein James-Bond-Bösewicht

Die Faszination des Bösen ist schon immer da gewesen. Nicht umsonst gilt der Satan – der Inbegriff des Bösen – als der große Verführer. Viele der aufregendsten Dinge sind zugleich unmoralisch, und wer vernünftig ist, widersteht ihrer Versuchung. Die Faszination für Schurken schlägt sich gerne auch in der liebevollen Gestaltung der Villen von Filmbösewichtern nieder. Sie haben einfach die schicksten Domizile.

 Schurken und Designer

Man denke nur an James Bonds Gegenspieler, die eigentlich grundsätzlich exklusiv und exquisit eingerichtete opulente Behausungen ihr Eigen nennen. Viel mehr kann man da eigentlich gar nicht mehr erreichen. Vielleicht liegt darin auch ein gewisser Ennui begründet, der die Herren Largo, Blofeld et al. zu dem Wunsch verleitet, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Besonders schick anzusehen sind dabei die von Ken Adam gestalteten Kulissen. Es ist ein kolossale Augenweide, Einblicke in die Anwesen und Räumlichkeiten eines steinreichen Widersachers wie Goldfinger zu bekommen, die der spätere Ocar-Preisträger (1976 für die beste Ausstattung in Stanley Kubricks „Barry Lyndon“) ausgesucht, bzw. entworfen hat. Noch nie dagewesene Designermöbel, wie man sie in den 1960er Jahren mit beispiellosem Tatendrang entwarf und herstellte – in diesem Falle natürlich individuelle Einzelanfertigungen – tragen ihr Scherflein zu dem Gesamtbild bei und sind sogar integraler Bestandteil des Reizes, den eine Sechziger-Ästhetik des Bösen so ausübt.

Wie man selbst Schurke wird

Villen wie die der feudal hausenden Oberschurken aus Spionagefilmen sind selbstredend pure Phantasterei, aber das ist ja auch das beste daran: man kann sich mit kindlicher Neugier ausmalen, wie es wohl in den anderen Räumen aussieht. Allein, diese Räume existieren nur im Kopf des Betrachters. Es sind Leerstellen, die der Zuschauer mit seinen gesunden Menschenverstand erfüllt – und der gesunde Menschenverstand ist bei den Vorgaben durch das Phantastische, das gezeigt wird, selbst zum Phantasieren genötigt. Schließlich soll sich ein kohärentes Bild ergeben. Vor allem beschleicht einen beim Betrachten naturgemäß das Gefühl: das will ich auch haben! Was unglücklicher Weise schlechterdings unmöglich ist – abgesehen vom Preis fällt ja auch noch der Umstand ins Gewicht, dass es sich um Unikate handelt. Und außerdem eben um Phantasieprodukte.

Wer dennoch etwas von dem dekadenten Glam der Bond-Filme aus ihrer ästhetischen Glanzzeit haben möchte, muss sich schon ein wenig anstrengen. Oder Abstriche machen: sicherlich gibt es preisgünstige Massenware, die auch noch gut aussieht, aber andererseits alles andere als individuell ist. Sonst bleibt noch die Möglichkeit des Stöberns auf dem Flohmarkt, aber die meisten Sachen die sich dort einmal fanden, stehen jetzt gut hergerichtet zu Liebhaberpreisen in Second-Hand-Geschäften. Oder man guckt sich bei Designern um, welche den Stil der Epoche zitieren. Da kann der Preis sehr unterschiedlich ausfallen. Wie auch immer man sich entscheidet: der Reiz, schadlos den Hauch der dunklen Seite zu spüren, ist mehr als verlockend.

Dieser Eintrag am Donnerstag, 20. Mai 2010 am 10:38 und ist unter Allgemein aufgeführt. Du kannst allen Antworten über diesen RSS-Link folgen. RSS 2.0 feed. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder trackback von deiner Seite ausführen.

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