Strenge war gestern – Hauptmerkmale des Englischen Gartens
Wer über einen eigenen Garten verfügt, hat unterschiedliche Möglichkeiten, diesen anzulegen. Oft wird zumindest ein Teil davon mit Blumen, einem Rasen und liebevoll gestalteten Wegen umgesetzt: Eine kleine Anlehnung an die französischen Gärten, die mit klarer Struktur und geometrischen Formen ausgestattet waren. Doch geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Zurück zur Natur, das ist die Maßgabe für immer mehr Gärtner.
Der französische Garten: Negativvorbild englischer Gärten
So detailverliebt die Phase des Barock war, so häufig wurden Möbel oder Bauwerke mit ihr verziert. Mehr noch, auch Grünflächen prägte die Epoche, die von dem ausgehenden 16. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts reichte. Häufig waren Hecken und Beete hierbei in möglichst symmetrischen Formen angelegt. Ihnen wurde damit ein sehr klarer und durchaus strenger Charakter verliehen. Erst blühende Blumen, deren Farben ebenfalls aufeinander abgestimmt waren, erweckten die harten Konturen zum Leben. Das war kunstvoll zumeist auf höchstem Niveau erbaut und wirkte zudem sehr pompös. Doch wohnte dem französischen Garten stets auch etwas Unnatürliches inne.
Ein englischer Garten hat Charakter
Der englische Garten verzichtet zunächst darauf, allzu intensiv in die Natur einzugreifen und sie in die Formen zu pressen, die der Mensch sehen möchte. Stattdessen darf sich die Landschaft den Raum nehmen, den sie benötigt. Natürlich wird dabei mit der Pflanzung von Bäumen und Sträuchern sowie dem Anlegen von kleinen Teichen nachgeholfen. Auf blühende Blumen oder ganze Beete soll dagegen weitgehend verzichtet werden. Dem Betrachter bietet sich damit eine begehbare Natur, die er sonst nur aus den impressionistischen Gemälden Claude Monets oder Paul Cézannes kennt. Das Ziel beim englischen Garten bestand somit in lebenden Landschaften, die einen Gegenpol zu den künstlichen Gärten des französischen Barock bieten sollten.
Frei, aber nicht grenzenlos
Ein englischer Garten wird jedoch nicht gänzlich sich selbst überlassen. Denn damit bestünde die Gefahr, dass er ausufert. Um insbesondere einen Übertritt der Pflanzen auf angrenzende Grundstücke zu verhindern, gleichzeitig jedoch das naturbelassene Gesamtbild nicht zu zerstören, bedient sich der Gärtner eines Tricks. Statt mit Hecken oder Mauern eine Abgrenzung zu errichten, werden kleine Gräben angelegt. Sie wirken als natürliches Hindernis, wodurch sich die Gewächse nur in ihren vorhandenen Grenzen ausweiten können. Für den Betrachter sind diese Gräben zumeist nicht sichtbar. Kann er sie dennoch sehen, so gliedern sie sich in die Gesamterscheinung des Gartens ein. Doch auch Bauwerke wie Häuser und Hütten prägen den englischen Landschaftsstil. So werden teilweise auch Nachbauten antiker Tempel und Ruinen errichtet. Den naturnahen Eindruck unterstreichen zudem kleine Gewässer und Teiche.